Andere Länder, andere Sitten. Nach einem Monat sind mir schon viele Merkwürdigkeiten
peruanischen Lebens aufgefallen. Nicht unbedingt negativ, aber für mich manchmal gewöhnungsbedürftig.
Lima ist ein einziges Durcheinander- so zumindest für mich. Läuft man auf dem Gehweg- wenn es denn einen gibt- einer etwas größeren Straße, ist das ein ganz anderes Gefühl, als in Deutschland. Ständig hupende Autos, wildes Durcheinander auf der Straße, fast niemand beachtet die Regeln, sieht es die Polizei kann man mit vielleicht 20
Soles diese bestechen usw.. In Peru wird leider auch überhaupt keine Rücksicht auf Fußgänger genommen. Auch wenn die Ampel für Fußgänger grün ist, heißt das nicht, dass man sie auch überqueren kann..);
Für was ist sie denn da?? Und ich frage mich auch, für was es die vielen Zebrastreifen gibt, die noch weniger, also garnicht, beachtet werden. Es gibt keine Fahrpläne für Busse. Kommen zwei Busse mit dem gleichen Fahrtziel zur selben Zeit an eine Bushaltestelle, fahren sie Wettrennen. Zeit ist Geld. Ja das merkt man deutlich in Lima. Geld kommt vor Sicherheit.
Eine komische Regel ist zum Beispiel auch: Auf dem Rücksitz im Auto muss man sich nicht anschnallen. Nur auf dem Fahrer-und Beifahrersitz. Wieso das denn? Die Antwort die ich bekomme: Ist einfach so...
Ok aber
ich schnalle mich trotzdem an.
Oder ein Supermarktbesuch ist auch
etwas anders als in Deutschland. Überall im Supermarkt stehen Leute, die einem irgendwas präsentieren wollen. Hier das neuste
Schampoo, da ein Stück Käse... Ist ja manchmal ganz nett, aber ich will doch nicht den Service mitbezahlen. Wenn man eine Rolltreppe hinunterfährt, steht jemand da, um einem zu helfen, den Einkaufswagen über die Schwelle der Rolltreppe zu schieben.
Und anscheinend ist der Begriff Umweltschutz hier noch nicht wirklich gehört worden. An der Kasse wird einem alles in meist kleine Tüten eingepackt. Wenn ich dann sage "
no gracias.. ich brauche keine Tüte für mein
Twix!!" oder so ähnlich, werde ich schräg angeschaut. Auch Obst, das in Netze eingepackt ist, wird schon im Supermarkt zum Wiegen nochmal in eine Plastiktüte eingepackt und an der Kasse dann nochmal.
Zuhause schmeißen die Leute die Tüten dann weg.. ja das gibt es auch in Deutschland, aber das ist nicht zu vergleichen. Mit einem größeren Einkauf hat man dann hunderte Tüten
Zuhause.
Viele Waren, vorallem Süßigkeiten gibt es nur in ganz kleinen Verpackungen. So ähnlich wie die riesigen
Haribopackungen in Deutschland, in denen 10 Gummibärchen einzeln verpackt sind, die aber letztendlich weniger Gummibärchen insgesamt haben und teurer sind.
Und nach dem Supermarktbesuch wird einem der Einkaufswagen oft zum Auto geschoben...
In der Mittelschicht haben die meisten Familien ein- oder zwei Frauen, die im Haushalt arbeiten. In meiner Familie auch. Nichts muss man selber machen. Vom Kochen, Waschen, Putzen, Bedienen?! wird alles von den Hausfrauen erledigt. In
Huaraz gab es noch eine Gärtnerin und die Frauen in der Küche haben uns regelrecht bedient. Ich kam mir dabei oft sehr komisch vor, und hab dann meinen Teller oft selbst weggeräumt. Auch hab ich probiert nicht ständig, wie die anderen, ein neues Glas zu nehmen. Wenn 10 Leute (so viele waren wir dort) 5-10 mal am Tag ein Glas Wasser trinken, müssen die Frauen 50-100 Gläser spülen.. und wie viel Wasser das verbraucht.. Auch mit meiner Gastmutter hab ich mal gerechnet, was für einen Handtuchverbrauch wir in unserem Haus haben. Wir sind im Moment 9 Personen, jeder duscht einmal am Tag und nimmt jeden Tag 1-2 neue Handtücher (ich behalte mein Handtuch ein paar Tage..).
Wenn man nichts mehr selber machen muss, ist einem das anscheinend egal.
In meiner Familie hat man mir erzählt, dass viele Hausmädchen auch oft schlecht behandelt werden. Manchmal tragen sie extra Kleidung und dürfen nicht am selben Tisch sitzen (sind ja zum bedienen da und müssen jeden Wunsch erfüllen). In der Familie in der ich wohne ist
Betty, die schon seit sie 15 ist hier wohnt und arbeitet, sozusagen ein Mitglied der Familie. Zum Glück wird sie "normal" behandelt, alle mögen sie gerne und für mich ist sie inzwischen zur der Person geworden, die ich am meisten mag in der Familie. So hab ich auch schon mit ihr zusammen gebacken, (ich spüle auch manchmal heimlich das Geschirr:-) und sie will mir beibringen wie man
peruanische Gerichte kocht.
In meiner Familie isst man viel und gerne. Viele sind daher auf einer Art ständigen Diät, die doch nicht wirklich eingehalten wird. Auch für mich ist es sehr schwierig nicht ständig irgendetwas zu Essen "Theresa, ich hab dir Kekse mitgebracht"...
mh ich bin zwar schon
pappsatt aber....
mhm die sehen gut aus. Auch lacht man in meiner Familie viel. Und sie können gut über sich selber lachen. Man macht "liebevoll" gemeinte Witze über die Familienmitglieder, nennt sich gegenseitig "
Gordo/a" (Dicker, Dicke..) oder "
Burro" (Esel) und nimmt es sich gegenseitig nicht übel. Da ich schon die ganze Zeit am Klagen bin, dass ich auch zunehme, wurde ich auch schon "
Gordita" (also noch nicht ganz so dick.. :) genannt. Das bedeutet also, dass ich als Familienmitglied akzeptiert wurde(;.
Kürzlich hab ich Zutaten für
Cantuccini im Wörterbuch übersetzt, da
Betty lernen wollte, wie man diese macht. Für Eier hab ich "
cojones" gefunden. Für
Mandeln ein Wort, dass offensichtlich etwas anderes bedeutet. Also bin ich in den Supermarkt und hab nach den
Mandeln gefragt, als ich sie selber nicht gefunden hab. Der Mann im Supermarkt hat mich natürlich nicht verstanden (letztendlich konnte ich mich irgendwie verständlich machen..). Aber zum Glück hatten wir noch Eier zu Hause, sodass ich dannach nicht fragen musste, denn
cojones sind keine Eier zum Essen.
...
Meine Familie, vorallem
Gisella fand diese Geschichte so witzig, dass sie Tränen gelacht hat- und das den ganzen Abend. "Das muss in deinen Blog...
that's
the story of the year,
no the best story I
have ever heard". Eigentlich fand ich es nur so witzig, weil
Gisellas Lachen so ansteckend ist..
Ich hoffe, dass ich jetzt kein schlechtes Bild von Peru und den
Peruanern (oder von der Familie in der ich wohne) vermittelt habe, denn eigentlich sind die meisten wirklich sehr freundliche und lebenslustige Menschen. Sie helfen einem gerne weiter, auch wenn sie keine Ahnung haben, wo sich diese oder jene Straße befindet...
(:


1.Gisella, ich, Pedro, Jose, Jose Luis Coto, Mariafe, Beatriz Zevallos, Betty und die zwei meistens nervig kläffenden Hunde 2. Fiorella, die in Deutschland auch schon in meiner Familie gewohnt hat und mit meinem Bruder Jakob zusammen ist 3. Lorena-man weiß meistens nicht wo sie ist, ob sie schläft oder..